‚Wirtschaftsseminar’ und Netzversammlung
Vom 19.06. bis 21.06.2026 in Koblenz
Zum Inhalt
Die kapitalistischen Verhältnisse sind offensichtlich nur noch mit Rechtspopulismus und autoritären politischen Maßnahmen, die sich zunächst gegen die schwächsten Gesellschaftsmitglieder richten, aufrecht zu erhalten. Dies beinhaltet einen Rechtsruck mit Maßnahmen gegen Geflohene und Arbeitslose samt patriachaler Regression à la Tradwives. Selbstverständlich wird Bedrohung dabei nur von außen wahrgenommen, sodass die Normalität des Kapitalismus, wo er noch rudimentär funktioniert, gegen ein Außen militärisch abgesichert werden muss – sei es nun gegen Russland oder China oder umgekehrt aus der Perspektive Russlands gegen die Expansion der NATO. Nicht im Blick ist, dass auch die sog. Großmächte in die kapitalistischen Zerfallsprozesse einbezogen sind und in ihrem Zerfall um Selbstbehauptung kämpfen ohne Aussicht auf eine neue hegemoniale Struktur. In diese Gemengelage fällt nun auch noch der Krieg um den Iran, in dem das irrationale Agieren der Beteiligten und damit die Gefährlichkeit der Militarisierung immer offensichtlicher wird. Sie ist eingebettet in einen gesellschaftlichen Kontext, in dem nur Härte zählt und der einhergeht mit einer regelrechten Lust an Zerstörung.
In den politisch-ökonomischen Entscheidungen wie auch in den Wahlentscheidungen der Bürger*innen spiegeln sich Irrationalität und Reflexionsfeindlichkeit wider: Der illusionäre Glaube an die Rettung der Normalität durch Zölle, brutale Migrationspolitik, weiteren Sozialabbau, Rüstungswahnsinn usw. Ignoriert wird der immer dramatischer fortschreitende Klimawandel mit todbringenden Folgen. Ideologien von Rassismus, über Sexismus und Antiziganismus bis hin zu projektiven Antisemitismus werden als ‚Begründungen‘ des jeweiligen Wahns herangezogen. Unter all das mischt sich Religiöses – christlich in Gestalt eines evangelikalen und katholisch-integralistischen Christentums, das sich gegen die gottlose Welt positioniert und im Zerfall der kapitalistischen Welt einrichtet.
Was es braucht, um aus all dem Auswege zu finden, ist schwer zu vermitteln, zumal es nicht ‚zu kaufen‘ ist: Es ist die Kritik der kapitalistischen Normalität als Fetisch, an dem festgehalten wird, auch wenn er in den Ruin treibt. Bei unserem Seminar wollen wir die sich verschärfenden Krisenentwicklungen reflektieren vor allem im Blick auf Militarisierung und Autoritarismus im Zerfall. Vor diesem Hintergrund fragen wir nach der emanzipatorischen Bedeutung gesellschaftskritischer und theologischer Fetischismuskritik.
Programm
Freitag, 19.06.26
19.30 – 21.30h: Begrüßung, Vorstellung und thematischer Einstieg:
Austauschrunde: Phänomene gemeinsam benennen – was macht uns besonders viel Angst?
Samstag, 20.06.26
9.00 – 12.30h:
Militarisierung und Autoritarismus: Ein grober globaler Überblick samt sozialen, ökologischen, ökonomischen und psychologischen Folgen
Vortrag von Dominic Kloos und Diskussion
12.00h Mittagessen
13.30 – 17.30h (mit Kaffeepause):
Militarisierung und Autoritarismus als Ausdruck des Zerfalls des kapitalistischen Fetischzusammenhangs – und die Rolle von Religion
Vortrag von Herbert Böttcher und Diskussion
17.45-19.15h Netz-Mitgliederversammlung
19.30h Abendessen und Ausklang
Sonntag, 21.06.26
10-12h: Gottesdienst mit Impulsen und Diskussionen zu biblisch-theologischer Reflexion auf eine gesellschaftsanalytisch und theologisch begründete Kritik der kapitalistischen Fetischverhältnisse
ORGANISATORISCHE HINWEISE
Tagungsort
Kirchenkreis Koblenz, Mainzerstr. 81, 56068 KO
Anmeldung
Bis spätestens 16.06.2026
bei: Dominic Kloos, 0261 89926284, info@oekumenisches-netz.de
Teilnahmebeitrag
Weitgehend kostenlos – um Spenden für die Verpflegung wird gebeten (das Abendessen bezahlt jedeR selbst, wenn es ihr/ihm möglich ist)
VERANSTALTER
KAB im Bistum Trier, pax christi Diözesanverband Trier und Ökumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar im Rahmen der Projektgruppe „Kapitalismus verstehen und überwinden“
gefördert von der KEB Koblenz
Ökumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar e.V. Gerechtigkeit · Frieden · Bewahrung der Schöpfung