„Steht auf und fürchtet euch nicht“ (Mt 17,1-9)

Im Mittelpunkt des 2. Fastensonntags steht die Erzählung von Jesu ‚Verklärung‘. Seine Gestalt wird ‚verwandelt‘ und erstrahlt in einem verklärten Licht. Angestrahlt wird hier aber kein Held, sondern ein Mensch, der an der Seite der Erniedrigten der römischen Herrschaft die Stirn bietet – bis zu seinem Tod am Kreuz der Römer. Das Licht weist darauf hin, dass er diesen Weg in Treue zu Israels Gott geht. Nicht zufällig tauchen in dieser Szene Mose und Elija auf. Mose steht für die Befreiung aus Ägypten und die Tora, Gottes Weisung für die Wege der Befreiung. Elija steht für die Propheten, die darauf drängen, Israels Gott die Treue zu halten und den Versuchungen durch Götzen der Macht zu widerstehen.

Petrus will Hütten bauen und die Verklärung festhalten. Dagegen steht die Stimme aus dem Himmel: Der ‚verklärte‘ Jesus „ist mein geliebter Sohn…; auf ihn sollt ihr hören“. Auf ihn hören, das heißt seinen Weg der Solidarität an der Seite der Opfer der römischen Herrschaft mitgehen. Auf Jesus hören heißt zugleich auf Israels Gott, auf Mose und die Propheten, hören. Wer darauf hört, darf Jesu Verklärung als Vorgriff auf seine Auferweckung und die Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde verstehen, darf sich aber nicht schon darin einrichten. Bis alle Hoffnungen auf Befreiung erfüllt sind, gilt es immer wieder neu Jesu Weg zu gehen. Dieser Weg führt an die Seite der Kleinen und Klein-Gemachten. Solche Solidarität gilt es heute zu leben im Widerspruch zu einer Gesellschaft, die sozialdarwinistisch auf die Kraft der Starken setzt und Vorstellungen einer solidarischen Welt geradezu feindlich gegenübersteht.

In der Fastenzeit wäre es für Christ*innen heute an der Zeit, wie Jesus das Gespräch mit Mose und Elija zu suchen, um den ‚Sohn Gottes‘ aus den Wurzeln seines Glaubens zu verstehen. Um heute seinen Weg zu gehen, ist es zugleich nötig, sich solidarisch mit den Erniedrigten kritisch mit der heutigen Welt auseinander zu setzen und nach Wegen ihrer Verwandlung zu suchen, schließlich zielt die Erzählung von Jesu Verwandlung auf die Verwandlung der Welt.

Alexander Just, Pastoralreferent im Pastoralen Raum Neuwied (zuerst erschienen am 28.02.2026 im Lokalteil der Rheinzeitung)