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4. Adventssonntag: „O Heiland, reiß die Himmel auf…“

O Heiland, reiß die Himmel auf,
Herab, herab, vom Himmel lauf,
Reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
Reiß ab, wo Schloß und Riegel für!

O Gott, ein‘ Tau vom Himmel gieß,
Im Tau herab, o Heiland, fließ.
Ihr Wolken, brecht und regnet aus
Den König über Jakobs Haus.

O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd,
Daß Berg und Tal grün alles werd.
O Erd, herfür dies Blümlein bring,
O Heiland, aus der Erden spring.

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
Darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
Komm tröst uns hier im Jammertal.

O klare Sonn, du schöner Stern,
Dich wollten wir anschauen gern;
O Sonn, geh auf, ohn‘ deinen Schein
In Finsternis wir alle sein.

Hie leiden wir die größte Not,
Vor Augen steht der ewig Tod.
Ach komm, führ uns mit starker Hand
Vom Elend zu dem Vaterland.

Da wollen wir all danken dir,
Unserm Erlöser, für und für;
Da wollen wir all loben dich
Zu aller Zeit und ewiglich.

„O Heiland, reiß die Himmel auf…“ (GL 231) Das Adventslied, das mit diesem Schrei beginnt, geht auf den Dreißigjährigen Krieg zurück. Mit dem Krieg verbreiten sich Seuchen und Hungersnöte. Marodierende Banden reißen mit Mord und Totschlag an sich, was noch zu ergattern ist. Es ist eine Welt, über der keine Sonne mehr aufzugehen scheint. Deshalb der Ruf: „O Sonn, geh auf, ohn‘ deinen Schein in Finsternis wir alle sein“ (3. Strophe). Der Dichter des Lieds ist der Jesuit Friedrich von Spee. Er ist bekannt, weil er gegen die Verstrickungen von Fürsten und kirchlichen Obrigkeiten in die Hexenverfolgung kämpfte. In dem um sich greifenden Hexenwahn wurden unschuldige Menschen, vor allem Frauen, durch Folter gequält und in den Tod getrieben. Solche Verfolgungen entstehen dann, wenn ‚Sündenböcke‘ gesucht werden, um ein Problem konkret und handhabbar zu machen.

Johann Baptist Metz stellt heraus, dass Spees Dichtung im Zusammenhang der sog. ‚Jesusminne‘ steht, in der sich eine mystische Beziehung zu Jesus Ausdruck verschafft1. Für Spee sei sie nicht eine nach innen gewendete Mystik, sondern

„eine Mystik der offenen Augen, sie wurde ihm zur politischen Mystik der Mitleidenschaft. … Im Interesse der Leidenden hat er sich in Situationen begeben, die er ohne seinen ‚Heiland‘ nicht bestehen konnte. Er vermisste ihn in diesem Meer des sprachlosen Unglücks der Vielen. Er schrie nach ihm: O Heiland reiß die Himmel auf …“2

Dies unterscheidet eine „Mystik der offenen Augen“ von einer selbstbezüglichen Mystik, die um das eigene Selbst kreist und in ihm doch keinen ‚Heiland‘ findet; denn nur der kann Retter sein, der mit den anderen verbunden ist und sich mit ihnen verbindet, vor allem mit denen, die in den Katastrophen des Lebens und in der Geschichte am meisten zu leiden haben. Das ist keine moralische Aussage, sondern eine soteriologische, d.h. – soter heißt nämlich Retter – eine auf Rettung bezogene Aussage. Rettung für mich kann es nur geben, wenn Rettung für die anderen, für die Geschichte als ganze möglich ist. Wenn der Himmel aufgerissen wird, wird auch das rettungslos um sich kreisende Selbst aufgerissen. Seine geschlossenen Augen werden geöffnet. Die Geschichten der anderen und die Geschichte als ganze kommen in den Blick. Es geht um wach-werden statt träumen, um standhalten statt fliehen.

Hättest du doch den Himmel zerrissen und wärest herabgestiegen… (Jes 63,19b)

Der Ruf nach dem Retter, der den Himmel aufreißt, geht zurück auf den dritten Jesaja. Da heißt es: „Hättest du doch den Himmel zerrissen und wärest herabgestiegen… (Jes 63,19b). Dieser Satz dürfte Teil einer Klage des Volkes Israel im babylonischen Exil sein (Jes 63,7-64,11). Dort hat Israel seinen Gott vermisst und geklagt: „Wir sind geworden wie die, über die du nie geherrscht hast, über die dein Name nie ausgerufen wurde“ (Jes 63,19a). Von der mit dem Gottesnamen über das Volk ausgerufenen Befreiung war nichts mehr zu hören und zu sehen. In dieser Situation wird das deutlich, was Metz über Israel sagt:

„Israel kannte keinen mythischen bzw. ideellen ‚Reichtum im Geiste‘, mit dem es sich über die eigenen Ängste, über die Fremde des Exils und über die immer wieder aufbrechende Leidensgeschichte selbst erheben konnte. Es blieb in seinem innersten Wesen mythisch und idealistisch stumm. Gegenüber den mächtigen, glanzvoll blühenden Kulturlandschaften seiner Zeit blieb Israel letztlich eine eschatologische ‚Landschaft aus Schreien‘ (nach einem Wort von Nelly Sachs), eine Erinnerungs- und Erwartungslandschaft.“ Seine „Gottfähigkeit“ zeigte sich in seiner „Unfähigkeit, sich von geschichtsfernen Mythen oder Ideen trösten zu lassen“3.

Statt sich mythisch und idealistisch (ver-)trösten zu lassen, hat Israel nach seinem vermissten Gott geschrien: „Du hast dein Angesicht vor uns verborgen und hast uns zergehen lassen in der Gewalt unserer Schuld“ (Jes 64,7). Sie hatte Israel auf sich geladen, weil es statt Wege der Befreiung zu gehen, sich einem König unterworfen hatte. Im Vermissen seines Gottes erinnert Israel sich an seinen Gott und seine Wege der Befreiung, auf denen er es als Volk geschaffen hatte: „HERR, du bist unser Vater. Wir sind der Ton und du der Töpfer, wir alle sind das Werk deiner Hände“ (Jes 65,7).

Statt sich von Mythen trösten zu lassen, hat Israel mit seinem so schmerzlich vermissten Gott gerungen. Daher hat es schließlich den Namen Israel. Er geht zurück auf Jakobs Kampf mit Gott (Gen 32,23-33). Jakob musste vor Esau fliehen. Auf seinem Weg zurück in die Heimat ringt er die ganze Nacht mit einem Mann am Jabbok, bis die Morgenröte aufsteigt. Als klar wird, dass der Mann Jakob nicht besiegen kann, versetzt er ihm einen Schlag auf das Hüftgelenk. Dennoch lässt Jakob ihn nicht los, sondern stellt eine Bedingung: „Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest“ (Gen 33,28). Der Mann fragt nach dem Namen dessen, der so unnachgiebig an ihm fest hält. Als Jakob seinen Namen nennt, antwortet der Mann: „Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel – Gottesstreiter – …“ (Gen 32,28).

Ist Weihnachten der Himmel aufgerissen?

Es fällt auf, dass die Evangelien recht stumm bleiben, wenn sie von der Geburt Jesu erzählen. Bei Markus fehlt jeder Hinweis. Matthäus stellt Jesu Verwurzelung in der Geschichte Israels und den Bezug des Evangeliums auf die Völker heraus (Mt 1.2). Selbst Lukas, der ausführlich von den Umständen der Geburt erzählt, wird recht knapp, wenn es um das Ereignis der Geburt selbst geht: Maria „gebar ihren Sohn … Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war“ (Lk 2,7). Der „Retter“ (Lk 2,11) – in Windeln, in einer Krippe, ohne Herberge.

Die Windeln verweisen auf Jerusalem, das wie nach der Zerstörung durch die Babylonier so nun, zur Zeit des Lukas, nach der Zerstörung durch Rom am Boden liegt. An das durch die Babylonier zerstörte Jerusalem knüpft der Prophet Ezechiel an (Ez 16,2b-8), wenn er zu Jerusalem sagt: „Du wurdest … nicht in Windeln gewickelt. Kein Auge zeigte dir Mitleid …, sondern du wurdest auf das freie Feld hingeworfen…“ (Ez 16,4f). Jerusalem bleibt aber nicht für immer ‚ohne Windeln‘ verblutend und zerstört auf dem freien Feld liegen. Mit der Geburt des Messias, der in einem Stall auf „auf freiem Feld“ (Lk 2,8) geboren und „in Windeln gewickelt“ wird, kann das zerstörte Jerusalem wieder aufstehen. Aber nicht in strahlendem Triumph von Siegern, sondern auf einem Weg, der ‚nach unten‘ an die Seite der Erniedrigten führt. Gottes Mysterium begegnet in der Verborgenheit der Krippe, die auf seine Verborgenheit am Kreuz des Messias vorausweist, im Stall, der fehlenden Herberge, die auf Jesu Heimatlosigkeit vorausweist, auf „den Menschensohn“, von dem Lukas erzählen wird, dass er „keinen Ort“ hat, „wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Lk 9, 58).

„Wahrhaftig, du bist ein verborgener Gott, Israels Gott, der rettet“, heißt es bei Jesaja (45,15). Gottes rettende Verborgenheit wird auch an Weihnachten nicht aufgehoben. Das Mysterium bleibt und damit auch die Mystik als eine Weise, Gottes Mysterium zu erahnen. Der mit der Geburt Jesu aufgerissene Himmel lässt ‚tief blicken‘ – nicht in die Tiefen der eigenen Seele mit ihren vermeintlichen Gewissheiten, sondern in die Tiefen und Abgründe der Geschichte. Daran vorbei gibt es keine Rettung – auch nicht für mich selbst. „Wer ist der Herr, unser Gott, der wohnt in der Höhe, der hinabschaut in die Tiefe…? Den Geringen richtet er auf aus dem Staub, aus dem Schmutz erhebt er den Armen…“, heißt es in Psalm 113 (V. 6f). Daran, dass das geschehen kann, hängt die Rettung aller.

Wir haben seine Herrlichkeit geschaut“ (Joh 1,14)

Dieser Satz folgt auf die Aussage: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt…“ (1,14). Da mag ein missverstandener Begriff ‚Herrlichkeit‘ vielleicht dazu verleiten, bei Johannes einen heils- und siegesgewissem Triumphalismus zu vermuten. Zum einen meint aber VerHERRlichung bei Johannes weder die Selbstverherrlichung der Herren noch im Blick auf heute gesagt – die ihres Selbst gewissen Bürger. Solche Selbstgewissheiten leben offensichtlich als Illusionen auch dann noch weiter, werden sogar noch befeuert, wenn sich der Bürger und mit ihm das bürgerliche Selbst im Zerfall des Kapitalismus schon längst ‚im freien Fall nach unten‘ befindet. Vom hebräischen Bezugswort ist mit HERRlichkeit die Schwere bzw. das Schwergewicht Gottes gemeint. Dessen Gewichtigkeit kann nach der Erzählung des Evangeliums am Kreuz ‚geschaut‘ werden, da wo Israels Gott und sein Messias in ihrer Erniedrigung sich solidarisch zeigen mit denen, die in der Geschichte erniedrigt und gequält werden.

Da gibt es keine Flucht in illusionäre Idyllen und Ideen, in (ver-)tröstende Mythen. Gesehen werden kann der Tod des Messias und in ihm all die Tode, die in der Geschichte gestorben wurden und all das Blut, das in ihr geflossen ist. Der verborgene Gott kann offenbar nur im Gegenteil göttlicher Macht und im Gegenteil garantierter Heilsgewissheiten ‚geschaut‘ werden, da wo die mythisch stumm gemachten Fragen wieder wach werden und die Schreie wieder neu einsetzen. Wenn Johannes davon spricht, das Wort „hat unter unser gewohnt“ (1,14), dann meint er diese Orte. Was ihn umtreibt, ist nicht der idealistische Gedanke: Gott ist immer da; und dann geht alles irgendwie weiter und hat einen Sinn. Er knüpft an die jüdische Vorstellung an, dass Israels Gott den Weg seines Volkes mitgeht, auch wenn er ins Exil führt. Diese Vorstellung war vor allem da wichtig, wo Gott mit der Zerstörung des Tempels zuerst durch die Babylonier und dann durch die Römer seine ‚Wohnung‘ verloren hatte, also ‚wohnungslos‘ geworden war. Im Schrei nach Gott, im Vermissen Gottes wurde die Erinnerung wach, dass Gott den Weg der Befreiung in einem Zelt als Zeichen seiner verborgenen Gegenwart mitgegangen war. Er war nicht an den Tempel gebunden. Dann konnte er auch den Weg seines Volkes mitgehen, wenn dieser Weg ins Exil führte. Entsprechend formuliert Johannes wörtlich: Das Wort „hat unter uns ‚gezeltet‘“ (1,14). Wo Gott – in der Verborgenheit seines unaussprechlichen Namens – mitgeht, kann mit ihm gerungen werden, kann er vermisst werden, kann gefragt werden, wann er endlich seine Verborgenheit aufreiße, damit er sich endgültig und als Retter der Erniedrigten und darin als Retter aller erweise.

Komm, Herr Jesus!“ (Offb 22,20)

Mit Weihnachten ist nicht alles gesagt und erledigt, aufgelöst in der Sicherheit, dass Gott ja da und nah ist. Der Schrei verstummt nicht. Er artikuliert sich jetzt als apokalyptischer Schrei nach endgültiger Rettung: „Komm, Herr Jesus!“ (Offb 22,20). Damit schließt die christliche, die messianisch interpretierte Bibel. Der Schrei nach der Wiederkunft des Messias zielt nicht darauf, dass er noch einmal in die Zeit komme, sondern der Zeit ein Ende setze, damit für alle, für Lebende und Tote, Wirklichkeit werde, wofür sich der Messias bis in seinen Tod am Kreuz der Römer eingesetzt hat. Das Ende der Zeit, das ist ein neuer Himmel und eine neue Erde, das endlich ‚in Windeln gewickelte‘ statt in Blut getränkte neue Jerusalem als neuer Himmel und als neue Erde (Offb 21.22) oder paulinisch die Auferweckung der Toten (1 Kor 15). „Die biblisch verheißene ‚Auferweckung der Toten‘ geschieht nicht in der Zeit, sondern als Ende der Zeit.“4 Da muss Gott erweisen, dass sein Wort, das im Messias „Fleisch geworden“ ist, ein endgültiges Wort der Rettung und Befreiung ist, dann nämlich wenn es sich vor allem als rettendes Wort für die Opfer in der Geschichte, für die in ihr Gekreuzigten und darin für alle erweisen.

Diese Hoffnung kehrt nicht den Abgründen der Geschichte den Rücken, sondern öffnet und weitet den Blick. Dem apokalyptische Schrei nach Rettung der Leidenden und dem Ende der Zeit wie der gesamten biblischen Apokalyptik geht es

„ – nun ganz im Wortsinn ‚apokalyptisch‘ – um ein ‚Aufdecken‘, um das Aufdecken der Leidensgeschichte im Gang der Weltgeschichte, um das Aufdecken der Antlitze der Opfer gegen das mitleidlose Vergessen durch die Sieger im Geschichtsverlauf. Apokalyptische Weisheit ist hier eine Wahrnehmung der Welt in ihrer Geschichte, die das ‚enthüllt‘, die ungeschminkt das ‚aufdeckt‘, was ‚wirklich‘ ist und geschieht – gegen die in allen Religionen und Weltanschauungen immer wieder auftauchenden Versuche zur mythischen oder metaphysischen Verschleierung des himmelschreienden Unrechts in der Welt und des tatsächlichen Verlaufs der Weltgeschichte, um so die Opfer unsichtbar und die Schreie unhörbar zu machen“5.

O Heiland, reiß die Himmel auf…“

Dieses klassische Adventslied erinnert daran, dass der Messias nicht gekommen ist, um sich in einer geschlossenen Welt einzurichten, um dem Kreislauf der Wiederkehr des Gleichen einen Sinn zu geben, sondern die Verschlossenheit der Welt aufzureißen, und den Gang der Geschichte aufzusprengen. Es ist heute die Verschlossenheit der durch Corona verschärften globalen kapitalistischen Krisennormalität, nach der sich so viele unter Corona sehnen. Vom Himmel her, aus der aus ihm einbrechenden Transzendenz soll verschlossene Immanenz auf der Erde aufgebrochen werden: die Verschlossenheit des Selbst, das in der kapitalistischen Normalität unter dem Zwang steht, sich selbst zu behaupten, daran aber zu zerbrechen droht, und im Kreisen um illusionäre Selbstillusionen keine Rettung, vielleicht nicht einmal eine Beruhigung findet. Aufzubrechen ist die tödliche und täglich tötende kapitalistische Krisennormalität. Geknackt kann sie wohl nur werden, wenn aufgedeckt werden kann, was für viele unsichtbar bleibt: die Leiden derer, die ‚überflüssig‘ gemacht worden sind und werden, zu nicht mehr verwertbarem Humankapital, zu weltweit vor der Zerstörung Fliehenden, zu Heimatlosen in unseren Städten… Aufgesprengt werden kann sie nur, wenn es gelingt aufzudecken, was die Triebfeder all der Zerstörungen und Leiden ist: die Selbstbezüglichkeit des Kapitals, der leere kapitalistische Selbstzweck, Kapital um seiner selbst willen zu vermehren. Aufgebrochen werden könnten die Mythen des Selbst, wenn aufgedeckt würde, dass ihre Selbstbezüglichkeit der Widerschein der Selbstbezüglichkeit des Kapitals ist, das sich nur um sich selbst drehen und zu nichts in Beziehung treten kann als nur zu sich selbst und seinem irrationalen Selbstzweck. Auch die gerne gepriesene Zuflucht zum abgespaltenen ‚Weiblichen‘, zu den weiblich konnotierten Werten der Fürsorglichkeit, von Emotionalität und Achtsamkeit hilft nicht weiter. Der männlich konnotierte (Mehr-)Wert der selbstbezüglichen Kapitalverwertung und die weiblich konnotierte Abspaltung bilden – wie Roswitha Scholz einschärft6 – gleichursprünglich die Form kapitalistischer Vergesellschaftung und müssen als zwei Seiten derselben (Form-)Medaille überwunden werden.

Vielleicht wäre das die mit Weihnachten verbundene Hoffnung: Der Heiland hat die Himmel, die Transzendenz, aufgerissen, um die geschlossene Immanenz in uns und um uns aufzureißen, geschlossene Augen zu öffnen, Menschen wach und widerständig zu machen, empfindsam für den Gott, der im Exil verborgen ist, nur zu ‚sehen‘ in den Erniedrigten. Er hat den Himmel aufgerissen, um Menschen zu ermutigen, in ihrem Ringen nicht von Gott abzulassen, sich nicht trösten und vertrösten zu lassen von Mythen und Illusionen, die versprechen, es in geschlossener Immanenz aushaltbar und wohnlich zu machen, den aufrüttelnden apokalyptischen Schrei „Komm, Herr Jesus!“ nicht verstummen zu lassen.

Herbert Böttcher

1Johann Baptist Metz, „O, Heiland reiß die Himmel auf … „ (2011), in: ders., Gott in Zeit. Gesammelte Schriften Band 5, Freiburg im Breisgau 2017, 119-124, 121.

2Ebd.

3Ders., Seligpreisungen als Einweisung in die Gottespassion (1991), in: Mystik der offenen Augen. Gesammelte Schriften Band 7, Freiburg im Breisgau 2017, 208-215, 209f.

4Metz, O Heiland (Anm. 1), 120.

5Ebd.

6Roswitha Scholz, Das Geschlecht des Kapitalismus. Feministische Theorien und die postmoderne Metamorphose des Kapitals, Bad Honnef 2011, vor allem S. 16-27.