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‚Zurück in die Zukunft’ der kapitalistischen Normalität – Stellungnahme des Ökumenischen Netzes zu ‚Lockerungen’ in der Pandemie

Koblenz, 19.05.2020. Die Diskussionen um Lockerungen und der politische Aktionismus im Rahmen der Diskussionen um Corona nehmen gefährliche und irrationale Züge an. Das Ökumenische Netz kritisiert in seiner Stellungnahme die von Wirtschaft und Teilen der Politik geforderten und durchgesetzten ‚Lockerungen‘ sowie die mit irrationalen Verschwörungsfantasien einhergehenden Demonstrationen, die in diesen Wochen regelmäßig deutschlandweit stattfinden.

Die Kritiker aus dem politisch liberalen und dem verschwörungsideologischen Spektrum, das vor allem ganz rechts, aber auch in anderen politischen Richtungen zu finden ist, treffen sich im Drängen auf eine Rückkehr in die kapitalistische Normalität.

Die auf kapitalistische Normalität ausgerichteten ‚autonomen Subjekte‘ halten es ohne diese Normalität nicht aus und klagen sie mit Verweis auf die Grundrechte ein. Hierin wird deutlich, wie sehr Autonomie und Grundrechte mit der kapitalistischen Normalität verbunden sind, ohne deren Widersprüchlichkeiten zur Kenntnis zu nehmen.

Aus der Sicht des Ökumenischen Netzes hält „das ‚autonome Subjekt‘ … die Kränkungen durch die Corona-bedingten Einschränkungen nicht mehr aus und drängt in narzisstischem Größenwahn darauf auszubrechen, um zur Normalität der ‚autonomen‘ Unterwerfung unter den kapitalistischen Normalzustand zurückkehren zu können“. Es setze auf „das, was in ‚falscher Unmittelbarkeit‘ den Ausbruch aus dem Corona-Gefängnis legitimiert“.

Die Stellungnahme des Ökumenischen Netzes macht deutlich, dass der Verzicht auf die Reflexion gesellschaftlicher Zusammenhänge die Diskussion um Corona kennzeichnet und den Aktionismus bestimmt. Es zählen Stimmungen und Bauchgefühl, die Unmittelbarkeit von Erfahrungen und Einzelphänomenen stützt, ohne sie einer kritischen Reflexion auf den gesellschaftlichen Zusammenhang zu unterziehen. „Wo kritische Reflexion und kritische Theoriebildung aussetzen, setzen Verschwörungsfantasien ein. Das Virus wird für ungefährlich und die Pandemie für eine Inszenierung dunkler Mächte erklärt. Auch die Verschwörungserzählungen reklamieren die bürgerlichen Grund- und Freiheitsrechte für sich und wittern deren Bedrohung durch einen gezielten Angriff des Staates“, heißt es in der Stellungnahme.

Vorstand und Geschäftsführung des Ökumenischen Netzes

STELLUNGNAHME