Startseite | Theologie | Ostermontag, 13.4.20

Ostermontag, 13.4.20

Gott im Gott bitten“ (J.B. Metz)?

Du treuer Gott“ (Ex 34,6)

(Litanei vom barmherzigen Gott in der Corona-Epidemie)

Auch die Anrufung „Du treuer Gott“ greift darauf zurück, dass sich Gott sich dem Mose als Gott vorstellt, der reich ist an Huld und Treue: „Der HERR ist der HERR, ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue.“ (Ex 34,6)

An Ostern feiern wir die Treue Gottes, die Gott an seinem Messias gezeigt hat. Jesus hat seinem Gott die Treue gehalten bis in den Tod am Kreuz. Mit seiner Auferweckung hat Gott ein Zeichen gesetzt, dass er seinen Messias nicht verlassen, sondern ihm die Treue gehalten und ihm ein neues Leben geschenkt hat. So hat er ihm Recht gegeben und Rom ins Unrecht gesetzt. Gottes Treue zu seinem Messias sammelt die Jüngerinnen und Jünger neu auf dem Weg der Nachfolge des Gekreuzigten. Sie können ihn gehen lassen im Vertrauen darauf, dass Gott auch ihnen treu sein und ihren Weg rechtfertigen wird.

Dass die Treue Gottes gegenüber seinem Messias auch uns gilt, steckt theologisch im Gedanken der Stellvertretung. Jesus hat nicht für sich selbst gelebt, sondern für die Armen und Schwachen, für die Opfer von Unrecht und Gewalt und darin für uns alle. In dem, was Jesus getan hat, sind alle eingeschlossen. Das steckt in der Formel ‚für uns‘, ‚für alle‘. Und so sind auch alle in Gottes Treue zu seinem Messias eingeschlossen. Gott hat ihn also ‚für uns‘, ‚für alle‘ auferweckt.

In der Auferweckung des Messias ist deutlich geworden, dass Gott Israel zuerst und darin den Völkern, die unter der Herrschaft von Unrecht und Gewalt, von Leid und Tod leiden, die Treue hält. Vor diesem Hintergrund kann Paulus sagen: „Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden“ (Röm 6,7). Das gilt für das Leben in der Nachfolge und zugleich für das Leben über die Todesgrenze hinaus. Darin steckt die Hoffnung, dass Gott so wie seinem Messias auch uns und allen Menschengeschwister die Treue halten wird.

Gebunden an das Leben Jesu hat die Treue zum Leben inhaltliche Konturen. Es lebt sich nicht einfach so weiter. Vielmehr beinhaltet das Leben in der Nachfolge einen Bruch mit dem ‚alten Leben‘ und dem ‚alten Menschen‘ (Röm 6,6), wie es und sie damals von Rom und heute vom Kapitalismus geprägt sind. Das Leben bekommt einen neuen ‚Charakter‘. In der theologischen Tradition ist die Rede davon, dass mit der Taufe den Getauften ein ‚unauslöschliches Merkmal‘, lateinisch ein ‚character indelebilis‘, eingeprägt werde. Das griechische Wort, das dem lateinischen ‚character‘ zu Grunde liegt‚ heißt übersetzt Prägung. Wer getauft ist, soll vom Leben und Sterben Jesu ‚geprägt‘, ge-‘form‘-t sein. Wie Jesus ist er dann zugleich von seiner ‚Auferstehung‘ geprägt. Die Treue Gottes, die in der Auferweckung Jesu zum Ausdruck kommt, gilt auch den auf Jesu Leben und Sterben Getauften.

Und bevor jemand auf die aufgeklärte Idee kommt, damit seien die Nicht-Getauften ausgeschlossen und der Gleichheitsgrundsatz verletzt, sei noch hinzugefügt, was selbstverständlich ist: Die Taufe ist ein Zeichen, das an den Getauften vollzogen wird. Der Inhalt des Zeichens – die Verheißung von Gerechtigkeit und Befreiung – gilt allen; jedoch nicht ohne Verletzung des formalen kapitalistischen Grundsatzes der Gleichheit. Dieses Zeichen der Verheißung gilt den Armen und Gekreuzigten zuerst und erst dann, wenn die Letzten zu ihrem Recht gekommen sind, allen.

Den Gedanken der Treue Gottes haben Christen_innen nicht erfunden. Sie verdanken ihn vielmehr der Geschichte Israels: dem Gott, der sich Mose als der Gott „reich an Huld und Treue zu erkennen gegeben hat. Hier kommt der Bundesgedanke zum Ausdruck, der Israel ‚geprägt‘ hat. Gott hält seinem Volk, das er aus Ägypten befreit hat, die Treue. Im Bund geht die Zusage der Treue vom Gott der Befreiung aus. Er kommt den Versklavten aus freien Stücken, also aus Gnade bzw. ‚Huld‘ entgegen und verspricht seinem befreiten Volk durch alle Wege und Irrwege hindurch die Treue zu halten. Darin zeigt sich die Langmütigkeit von Gottes Treue.

Auf diesen Bundesgedanken greifen Christen_innen zurück, wenn sie das Leben, den Tod und die Auferstehung Jesu deuten. Im Messias Jesus hat Israels Gott – so vertrauen sie – seinen Bund mit Israel bestätigt und zugleich für die Völker geöffnet. Deshalb ist die Rede von einem ‚neuen Bund‘, der an die Stelle des sog. ‚alten Bundes‘ mit Israel tritt, grundfalsch. Der Bund mit Israel ist nicht aufgelöst. Vielmehr sind die Volker in den Bund der Treue Gottes mit Israel ausdrücklich einbezogen. Der Gott Jesu und der Christen_innen ist kein anderer als Israels Gott, der versprochen und in der Auferweckung des Gekreuzigten sichtbar gemacht hat, dass er seinem versklavten Volk und darin allen Versklavten die Treue hält.

Mit dem Gedanken des Bundes ist die jüdisch-christliche Tradition an die Versklavten, an die Leidensgeschichte der Menschen ge-‘bund‘-en. Es brauchte keine Coronakrise, damit auch diejenigen, die das Christentum zu einer Event- und Wellness-Religion umbauen, jetzt auf einmal entdecken, das Christentum sei keine ‚Schönwetter‘-Religion. Es ist es deshalb nicht, weil es über den Bund mit Israel und seinem Messias, nicht – wie Adorno es einmal für die bürgerliche Welt gesagt hatte – „vereidigt ist auf die Welt wie sie ist“, sondern auf die Opfer in der Geschichte und eine Welt ohne Opfer. Weil wir – trotz aller Ungewissheiten – die Hoffnung auf Rettung der Opfer nicht aufgeben wollen, halten wir Israels Gott und seinem Messias die Treue und bitten darum, dass er sich ihnen und dann auch uns als Gott der Rettung und Befreiung und so als der ‚treue Gott‘ erweisen möge.

Die biblischen Text zum Ostermontag

erzählen in der Ersten Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 2,14.22-33) von der ersten Predigt des Petrus nach dem Pfingstereignis. Er bezeugt die Auferweckung des Gekreuzigten und interpretiert sie aus der Schrift, genauer aus Psalm 16. Er wird in der Überlieferung David zugeschrieben. Demnach betet David in V. 10: „Du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen.“ Da David aber gestorben bist, bezieht Petrus diesen Satz auf Jesus. In ihm, der für ganz Israel und die Menschheit steht, ist Israels Hoffnung auf die Auferweckung der Toten, die der Psalm David in den Mund legt, Wirklichkeit geworden.

Lesung: Apg 2,14.22-33

14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! 22 Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, einen Mann, den Gott vor euch beglaubigt hat durch Machttaten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst – 23 ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. 24 Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde. 25 David nämlich sagt über ihn: Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke. 26 Darum freute sich mein Herz und frohlockte meine Zunge und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen; 27 denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen. 28 Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht. 29 Brüder, ich darf freimütig zu euch über den Patriarchen David reden: Er starb und wurde begraben und sein Grabmal ist bei uns erhalten bis auf den heutigen Tag. 30 Da er ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm einen Eid geschworen hatte, einer von seinen Nachkommen werde auf seinem Thron sitzen, 31 sagte er vorausschauend über die Auferstehung des Christus: Er gab ihn nicht der Unterwelt preis und sein Leib schaute die Verwesung nicht. 32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen. 33 Zur Rechten Gottes erhöht, hat er vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen und ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört.

Zwischengesang: Ps 16

1 Ein Lied Davids. Behüte mich, Gott, denn bei dir habe ich mich geborgen! 2 Ich sagte zum HERRN: Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein. 3 An den Heiligen, die im Land sind, an den Herrlichen habe ich all mein Gefallen: 4 Zahlreich sind die Schmerzen derer, die einem anderen Gott nacheilen. Ich will ihre Trankopfer von Blut nicht spenden, ich nehme ihre Namen nicht auf meine Lippen. 5 Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher, du bist es, der mein Los hält. 6 Die Messschnur fiel mir auf liebliches Land. Ja, mein Erbe gefällt mir. 7 Ich preise den HERRN, der mir Rat gibt, auch in Nächten hat mich mein Innerstes gemahnt. 8 Ich habe mir den HERRN beständig vor Augen gestellt, weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. 9 Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre, auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit. 10 Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen. 11 Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. Freude in Fülle vor deinem Angesicht, Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit.

In der zweiten Lesung aus dem ersten Korintherbrief (1 Kor 15,1-8.11) überliefert Paulus das vermutlich älteste ausformuliere Bekenntnis zu Jesu Auferweckung. Die Formulierung „für unsere Sünden gestorben“ stellt das Leben Jesu in den Zusammenhang der Verhältnisse, die den Wegen der Befreiung entgegen stehen, ja diejenigen töten, die versuchen, sie zu gehen. Das „Begraben“ erinnert an Jesu Solidarität mit den Toten. Entsprechend ist seine Auferweckung Gottes Widerspruch gegen die Herrschaft der Mächtigen bzw. der mächtigen Strukturen und darin Widerspruch gegen den Tod. Wie durch Jesu Auferweckung Menschen für den Weg der Nachfolge im Widerspruch gegen Herrschaft aufgerichtet werden, so werden auch die Toten aufgerichtet für das Leben in Gottes neuer Welt. Dieser Zusammenhang wird in der Struktur des Bekenntnisses: „gestorben“, „begraben“ „auferweckt“ deutlich.

1 Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. 2 Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet werden, wenn ihr festhaltet an dem Wort, das ich euch verkündet habe, es sei denn, ihr hättet den Glauben unüberlegt angenommen. 3 Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, 4 und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, 5 und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. 6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. 7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. 8 Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt. 11 Ob nun ich verkünde oder die anderen: Das ist unsere Botschaft und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.

Das Evangelium (Lk 24,13-35) erzählt von der Begegnung des Auferstandenen mit den sog. Emmausjüngern. Sie stehen für diejenigen, die sich vom Ort der Katastrophe abwenden und fliehen. Für sie ist alles aus. Es gibt keine Hoffnung mehr. Der Auferstandene holt sie zurück durch die Schrift und das Brechen des Brotes. Es sind jene Elemente, die auch uns helfen, gegen Zweifel und Verzweiflung, angesichts des Vermissens Gottes, die Hoffnung auf Rettung für die Opfer und darin auch für uns selbst aufrechtzuhalten. Sie wollen auch uns neu aufrichten für den Weg der Nachfolge in Solidarität mit den Opfern.

13 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. 14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. 15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. 16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. 17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen 18 und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? 19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. 20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. 21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. 22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, 23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. 24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht. 25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. 26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen? 27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. 28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, 29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. 30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. 31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. 32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete? 33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren. 34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. 35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.