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Von den Rändern her denken – Eine gesellschaftliche und theologische Kritik der Arbeit im Kapitalismus

Tagung des AK processus confessionis (ökumenische Gruppen im Rheinland). Infoflyer

13./14. Oktober 2018
Gemeindezentrum Lutherkirche
Reuterstraße 11
53115 Bonn

Die Auslagerung von arbeitsintensiver Produktion samt sozialer (und ökologischer) Zerstörungen schlägt immer mehr in die Länder zurück, die vormals von dieser Auslagerung und dem Import verbilligter Waren profitierten. Prekäre Arbeitsverhältnisse gibt es nicht mehr nur im globalen Süden, sondern zunehmend auch im globalen Norden. Menschen, deren Arbeitskraft nicht mehr verwertbar ist, sind nicht nur in den Ländern der Peripherie, sondern auch in denen der Zentren an den Rand gedrängt.
Die Sicherung des Lebens und die gesellschaftliche Integration über Arbeit stößt an ihre Grenzen. Zugleich werden die sozialen Sicherungssysteme abgebaut, die vor den Folgen der Arbeitslosigkeit schützen sollten, weil sie an die Grenzen der Finanzierbarkeit stoßen. Solche ‚Grenzerfahrungen‘ signalisieren die Krise des Kapitalismus, die zugleich eine Krise der Verwertung von Arbeit ist und damit die Arbeitsgesellschaft in Frage stellt.
Ein gesellschaftskritisches und theologisches Denken und Handeln, das für das Leid von Menschen empfindlich ist, muss im Kontrast zu Schuldzuweisungen (an ‚die‘ AusländerInnen, ‚die‘ PolitikerInnen, ‚die‘ UnternehmerInnen) nach den tiefer liegenden Zusammenhängen dafür fragen, warum immer mehr Menschen überflüssig gemacht und Netze sozialer Sicherheit abgebaut werden.
In der ökumenischen Bewegung verbindet sich gesellschaftskritische Analyse mit theologischer Reflexion. Insofern schließt die gesellschaftstheoretische Kritik der Arbeit die Frage nach der Bedeutung der Arbeit in der Theologie ein, vor allem in befreiungstheologischem Denken. Die Herausforderung für die Theologie könnte darin bestehen, statt Arbeit im Horizont der Befreiung positiv zu bewerten, sie im Horizont der Unterscheidung zwischen Gott und Götzen zum Gegenstand der Kritik zu machen.

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