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Reflexion kirchlicher Entwicklungen – Zwei Bücher aus dem Netz-Zusammenhang erschienen

Koblenz, 19.9.2022. Die Kirche verliert nicht nur an Bedeutung, sondern auch Mitglieder – und das inmitten gesellschaftlicher Krisen. Gründe genug für Erneuerung und Aufbruch! Aber wohin? Herbert Böttcher, Vorsitzender des Ökumenischen Netzes Rhein-Mosel-Saar und des Vereins für kritische Gesellschaftswissenschaften „Exit!“, zeigt in seinem Buch („Auf dem Weg zu einer unternehmerischen Kirche“), das im Echter-Verlag erschienen ist, dass der Weg hin zu einer „unternehmerischen Kirche“ geht. Die damit einhergehenden Reformen suchen nach Anschluss an betriebswirtschaftliche Konzepte, nach Anpassung an die kapitalistischen Verhältnisse. Sie wollen auf die „Höhe der Zeit“, genauer auf die Höhe der einbrechenden kapitalistischen Gesellschaft. Böttcher setzt sich einerseits mit Konzepten auseinander, die den Weg zu einer „unternehmerischen Kirche“ bahnen und zum anderen mit den synodalen Erneuerungsprozessen, in denen die Kirche an den gesellschaftlichen Krisen und ihren Opfern vorbei nach interner Erneuerung sucht. So wird Erneuerung zur Optimalisierung der Anpassung an die gesellschaftlichen Verhältnisse.

Dominic Kloos, Geschäftsführer und Referent des Ökumenischen Netzes, setzt sich in seinem Buch „Die ‚Himmelfahrt des Geldes‘ in den Prinzipienhimmel“ (erschienen im AJZ-Verlag) mit Argumentationsmustern der katholischen Soziallehre auseinander. Am Beispiel der vatikanischen Stellungnahme zur Rolle der Finanzmärkte („Oeconomicae et pecuniariae quaestiones“) macht er deutlich wie moralische Urteile und politische Positionierungen aus dem ‚Prinzipienhimmel‘ der Soziallehre abgeleitet werden, ohne sich kritisch mit den gesellschaftlichen Verhältnissen auseinander gesetzt zu haben, in deren Zusammenhang die Finanzmärkte stehen. Dabei wird deutlich, dass die Vermehrung von Geld durch Geschäfte auf den Finanzmärkten eine Reaktion auf die Krise der Akkumulation in der Realwirtschaft ist. Diese wiederum hat ihre zentrale Ursache im Ersetzen von Mehr-Wert schaffender Arbeit durch Technologie. Diese innere, nicht zu überwindende Schranke des Kapitalismus lässt sich nicht auf Dauer durch die Zufuhr von „Geld ohne Wert“ (Robert Kurz) kompensieren und hat desaströse Folgen. All das müsste Gegenstand der Reflexion sein. Statt dessen scheint es leichter zu sein, sich mit Schuldzuweisungen, moralischen Verurteilungen und moralischen Forderungen an das Handeln von Akteuren zu klammern. So aber kann es keine Umkehr geben von den Wegen in die Katastrophe, in die der Kapitalismus in seiner Krise treibt.

Die Bücher (216 und 98 Seiten) können direkt bei den Verlagen oder im Buchhandel für 14,90 bzw. 9.80 EUR bestellt werden.