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Prekäre Situation des Netzes – Bitte um Unterstützung

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des Ökumenischen Netzes Rhein-Mosel-Saar,

ohne Umschweife wollen wir Ihnen und Euch sagen, worum es uns geht: Wir brauchen Ihre und Eure Unterstützung für das Ökumenische Netz, vor allem für die Finanzierung unserer inzwischen auf 24 Stunden reduzierten hauptamtlichen Stelle.

Dabei möchten wir zugleich erläutern, warum wir zu dieser ungeschminkten Bitte kommen:

Die Finanzlage in den letzten beiden Jahren war trotz weiterer Rückgänge institutioneller Förderungen dank großzügiger Spenden und Sonderzuschüsse einigermaßen stabil. Dieses Jahr konnte aber ein Geldgeber seine Förderung in Höhe von 2500 EUR wegen eigener Finanzprobleme, die bereits in den letzten Jahren zur Reduzierung der Förderung um 1500 EUR jährlich geführt haben, nicht leisten. Zudem müssen wir davon ausgehen, dass die Covid19-Pandemie die krisenhafte Entwicklung des Kapitalismus verschärft und damit auch die finanzielle Lage der Geldgeber und in der Folge all derer, die darauf angewiesen sind.

Mit der Bitte um finanzielle Unterstützung bitten wir um Unterstützung für die Inhalte, die uns wichtig sind und die wir auch unter den eingeschränkten Bedingungen der Pandemie versucht haben intern und öffentlich zu formulieren. Dies haben wir z.B. in den Veröffentlichungen im Rahmen unseres sog. Corona-Verteilers und über die Webseite getan. Darin dürfte die ‚Handschrift‘ des Netzes, wie sie in unserem neuen Papier Den Kapitalismus als Ganzes überwinden! zum Ausdruck kommt, gut zu erkennen sein. In den unterschiedlichen Beiträgen ging es um das, was wir in unserem Netz die ‚Frage nach dem Ganzen‘ nennen, die wir gesellschaftskritisch und theologisch zur Geltung zu bringen suchen.

Wie wichtig dies in den gegenwärtigen Corona-Zeiten ist, zeigen vor allem die Entwicklungen, die im sog. ‚Querdenken‘ deutlich werden. Ohne Reflexion auf ‚das Ganze‘ der Verhältnisse prägt eine ‚falsche Unmittelbarkeit‘ Positionierungen und Aktionen. Ausschlaggebend sind oft unmittelbare Befindlichkeiten, die sich selbstbezüglich artikulieren, d.h. ohne Bezug zu dem, was kranke Menschen erleiden, und zu den Belastungen, die das medizinische und pflegerische Personal zu stemmen hat. So kommt es zu absurden Situationen, in denen sich autoritäre Rechte zu Verteidigern der Freiheit aufschwingen und Liberale an die soziale Benachteiligung von Kindern und – in auffallendem Unterschied zum üblichen Lobpreis der Digitalisierung – an die Bedeutung des ‚Analogen‘ als Beziehung von Mensch zu Mensch erinnern, wenn es darum geht möglichst schnell zur kapitalistischen Krisennormalität zurückzukehren. Erschreckend ist es, wie sich die ‚falsche Unmittelbarkeit‘ in Gewalt Ausdruck verschafft und dabei unmittelbarer Frust und Zorn kein Halten mehr kennen. Das lässt vor allem für die Zeit ‚nach Corona‘ Schlimmes befürchten, wenn die soziale und politische Rechnung präsentiert wird. Wie auch immer einzelne Äußerungen einzuschätzen sein mögen: Wir haben versucht, gegen die Unmittelbarkeit der ‚Selbstbezüglichkeit‘ den Blick auf ‚die Anderen‘, die vor allem unter der Pandemie zu leiden haben, stark zu machen, und gegen die Unmittelbarkeit politischer Äußerungen und Agitation den Blick auf das Ganze der kapitalistischen Verhältnisse zu richten. Uns ist die Erkenntnis wichtig, dass Corona aus den Verhältnissen – ihrer sozialen und ökologischen Zurichtung durch die Krise des Kapitalismus – erwachsen ist und alle bereits sichtbaren Probleme verschärft und weiter verschärfen wird.

Die Frage nach dem Ganzen ist für uns eine gesellschaftliche und zugleich eine theologische, insofern mit dem jüdisch-christlichen Gottesgedächtnis die Fragen nach der Rettung aller Menschengeschwister, der Lebenden und der Opfer der Gewaltverhältnisse und aller Toten verbunden ist. Wir haben gegen den Trend zur Überhöhung des Selbst und zur Selbstbezüglichkeit versucht, durch biblische Impulse und theologische Reflexion den Blick für die Zusammengehörigkeit aller Menschen und die Hoffnung auf Befreiung zu stärken. Vor allem in den ‚gottesdienstlosen‘ Zeiten waren vielen unsere Impulse zu spirituellem Nachdenken und zum Gebet wichtig.

Über die auf Corona bezogenen Impulse hinaus haben wir im Horizont unserer Grundorientierung Akzente gesetzt in Publikationen (neues Grundsatzpapier und in Kürze erscheinende Publikationen), Kurzinterventionen, z.B. zu Migration und Kirchenasyl, Kooperationen (gegen Abschiebung) und auch in (wegen Corona) wenigen Veranstaltungen, die z.T. auch online angeboten werden.

Der Vorstand des Ökumenischen Netzes ist davon überzeugt, dass all das ohne unseren hauptamtlichen Mitarbeiter und dessen über seine Arbeitszeit hinausgehendes inhaltliches und organisatorisches Engagement nicht möglich wäre. Daher ist – neben allen sozialen Aspekten – die Sicherung der hauptamtlichen Stelle eine wesentliche Grundlage für die Handlungsfähigkeit des Netzes.

Als Vorstand des Ökumenischen Netzes bitten wir Sie und Euch daher, das Netz finanziell zu unterstützen, vor allem durch Einzelspenden, aber auch durch Bemühungen die finanzielle Situation des Netzes strukturell zu verbessern. Daher möchten wir auch in diesem ‚Bettelbrief‘ an Vorschläge erinnern, die wir in den letzten Jahren immer wieder einmal ins Spiel gebracht haben:

  • Zum einen wäre es wichtig, die Mitgliederzahl zu erweitern. Dazu kann jede und jeder beitragen, die bzw. der Menschen und Gruppen/Organisationen, die mit dem Netz sympathisieren, auf eine mögliche Mitgliedschaft anspricht.
  • Zudem könnten Mitglieder überlegen, ob sie den regulären Mitgliederbeitrag um einen Solidaritätsbeitrag erhöhen.
  • Zum anderen hören wir von Menschen, die bei der Festlegung ihres Erbes mit Teilbeträgen sozial engagierte Gruppen bedenken. Auch hier wäre die Frage, ob Menschen, die solche Überlegungen anstellen, auch an das Netz denken könnten, bzw. inwieweit diese Möglichkeit ins Spiel gebracht werden könnte.

Ihnen und Euch allen danken wir für das Interesse und die Unterstützung, die Sie und Ihr dem Netz entgegen bringt. Wir wünschen Ihnen und Euch einen guten Weg durch all die Belastungen, die auch persönlich bedrückend sind, und grüßen herzlich!

Barbara Bernhof-Bentley (Vorsitzende), Herbert Böttcher (Vorsitzender) und Brigitte Weber (Schatzmeisterin)

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