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Wider die Rede von der Überflüssigkeit theologischen Nachdenkens – Ein Zwischenruf des Ökumenischen Netzes

Koblenz, 5.9.2018

„Die synodal-nachsynodale Inhaltslosigkeit des kirchlichen Betriebs im Bistum Trier“ ist für den Arbeitskreis theologische Orientierung des Ökumenischen Netzes Rhein-Mosel-Saar Anlass für einen theologischen Zwischenruf. Die vom Arbeitskreis festgestellte Abwehr theologischen Nachdenkens geht einher mit dem Verzicht auf gesellschaftskritische Reflexion. „Das ist kein Aufbruch, sondern ein Weg der Anpassung an die gesellschaftlichen Verhältnisse“ – so Barbara Bernhof-Bentley, Vorsitzende des Ökumenischen Netzes.

Theologisches Nachdenken und kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen werde unter den Vorbehalt abstrakter Theorielastigkeit und Praxisferne gestellt. Tatsächlich abstrakt jedoch bleibt nach Ansicht des Arbeitskreises die Rede von ‚den‘ Menschen, ‚der‘ heutigen Welt oder von ‚dem‘ zum Ausgangspunkt eines Perspektivwechsels erkorenen ‚Einzelnen‘. Erst im Kontext einer Reflexion der gesellschaftlichen Verhältnisse in ihren geschichtlichen Zusammenhängen werde der Zustand der ‚heutigen Welt‘ ebenso wie die Lebenssituation der Einzelnen anschaulich und konkret. Sichtbar würde dabei vor allem, wie sehr die einzelnen Menschen ebenso wie die Schöpfung unter der Zerstörungsdynamik des Kapitalismus zu leiden haben, der auf die Grenzen seiner Entwicklungsmöglichkeiten stößt. „Ohne gesellschaftskritischen Bezug und ohne eine ihn aufnehmende theologische Reflexion bleibt die Kirche inhaltlich leer“, heißt es im Zwischenruf des Arbeitskreises.

Um das Zusammenspiel von gesellschaftskritischer Reflexion und theologischem Nachdenken zu fördern, schlägt das Ökumenische Netz die Einrichtung von in der jüdischen Tradition bekannten Lehrhäusern in den neuen pastoralen Einheiten vor. Sie könnten einen Beitrag dazu leisten, die Leiden von Menschen wahrzunehmen, ihre gesellschaftlichen Zusammenhänge zu erkennen und darauf theologisch zu reflektieren. „Gerade weil der Glaube nur zeit-geschichtlich konkret zu ‚haben‘ ist, bedarf es der immer neuen theologischen und zeit-geschichtlichen Orientierung auf dem Weg des Volkes Gottes durch die Geschichte. Weil der Glaube auf seinem Weg durch die Geschichte unabgeschlossen ist, ist es auch die Theologie als zeit-geschichtliche Reflexion des Glaubens“, betont der vom Ökumenischen Netz veröffentlichte Text. Genau dies dementiere Redensarten wie „die Theologie kennen wir doch“ und mache die theologische Reflexion zu einer immer neuen Herausforderung.

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